Was wohl der extrem trockene April (nur an 4 Tagen ganz wenig Regen) mit den Orchideen gemacht hat. Ja das hat mich interessiert und ich bin am Morgen mit ÖV nach Glattfelden gefahren. Strahlend blauer Himmel. Vom Bahnhof laufe ich den längst (seit 40 Jahren) gewohnten Weg Richtung "Bermuda-Dreieck", dort, wo jetzt der grosse Kreisel gebaut wird. Im Bermuda-Dreieck sind die Orchideen fast verschwunden. Einzelne Orchis militaris sind am aufblühen. Ich gehe weiter auf dem kleinen Fahrsträsschen, links begleitet von der Autobahn, rechts vom recht steilen Bord, das streckenweise abhumusiert wurde und mittlerweile steppenartig bewachsen ist. Schon bald fallen einzelne grosse, kräftige Bocksriemenzungen Himantoglossum hirzinum auf. Ganz oben an der Bordkante zähle ich in einem Abschnitt 20 Exemplare. Es bleiben nicht die einzigen. Ich notiere sie für die Kartierung.
Von weitem sehe ich jetzt die markante Zeder (oder was es genau ist) und bin also bei der allgemein bekannten Huser-Wiese. Ich weiss wo der Trampelpfad durchgeht und bin mir grosse Vorsicht und hohe Aufmerksamkeit gewohnt. Es ist alles in voller Blüte, und das am 1. Mai! Aber es blüht wenig. Hingegen hat es beim grossen Nussbaum viele Ohnsporne (Aceras antropophorum); er liebt die grosse Wärme. Bisher war er mir eher von der Parzelle oberhalb des Nussbaumes bekannt, und nicht in grosser Zahl. Hummelragwurze finde ich nur sieben blühende beim Trampelpfad und wenige sprossende. Westlich vom Nussbaum stehen die Affenknabenkräuter (Orchis simia) oder sind es Hybriden mit O. militaris? in schöner Blüte. Die bleichen Waldvögelein (Cephalanthera damasonium) sind natürlich verblüht, falls da wirklich welche waren. Was mich freut, ist die bekannte 5er-Gruppe Helmkabenkraut (Orchis militaris) zusammen mit dem kleinen weissen Winzling.
Ich gehe auf der Strasse noch weiter Richtung Westen zu den angesiedelten Gardasee-Ragwurzen (Ophrys benacensis). Gerade noch ein Exemplar ist knapp fotogen, alle anderen sind am Abblühen. Das war nicht anders zu erwarten. Und ich schaue vorbei, ob es den klassischen Standort des Affen-Knabenkrautes (Orchis simia) noch gibt. Ich muss länger suchen, aber ich finde den Platz im Gebüsch und fünf bereits verblühte Exemplare. Ein bisschen entfernt unter der Föhre blühen noch vier und sind klar als O. simia zu erkennen. Wie früher. Etwas überrascht bin ich, dass hier in dieser Parzelle, nahe beim Zaun zur Autobahn hin, nur wenige Bocksriemenzungen hat, wo früher vielleicht hundert standen. Bei den Orchis simia sind hingegen die Küchenschellen, jetzt erkennbar an den Samenständen, noch gut vertreten. Eine schöne Beobachtung.
Eine Bemerkung zu den Bildern noch: Obwohl ich die Fotoausrüstung "mitgeschleppt" hatte sind alle Fotos nur mit dem Handy entstanden. Eigentlich nur zur Dokumentation. Ich merke, langsam werde ich bequem.