Ich bin eingeladen ein mir unbekanntes Gebiet mit Orchideen zu besuchen. Eine Beschreibung dazu habe ich bereits bekommen und bin jetzt natürlich gespannt was mich erwartet. Weil ein Wetterumschlag angekündigt ist, will ich noch heute, am 1. Juni, hingehen. Es ist schon drei Uhr Nachmittags und ich entscheide mit dem Zug zu fahren. Mein E-Bike nehme ich mit, denn vom Bahnhof ist es auch noch ein gutes Stück bis zum Standort. Zum Glück gibt es ein Handy mit präziser Navigation. Beim kleinen Parkplatz stelle ich mein Bike ab. Ab hier: Fahrverbot. Auch für Fahrräder.

Jetzt, beim Schreiben, will ich den Standort gar nicht bekanntgeben. Lokal scheint er schon bekannt zu sein. Nicht alle Besucher bewegen sich aufmerksam und zurückhaltend in Schutzgebieten. Zumal wenn diese auch als "Naherholungsgebiet" betrachtet werden. Ganz vorbildlich sind hier gut erkennbare Trampelpfade angelegt und viele Orchideen sind gut von diesen Wegen aus zu beobachten. Für einzelne Fotoaufnahmen bewege ich mich sorgfältig zu ausgewählten Orchideen hin und traue mir das zu, weil ich auch nicht blühende Exemplare erkenne und umgehen kann. Weil nicht alle Orchideen zur gleichen Zeit zur Blüte gelangen, werden später blühende oder bereits abgeblühte oft unwissentlich zertreten. Genaue Kenntnisse des Standortes durch meine Begleiterin verhindert mein Begehen heikler Parzellen zum falschen Zeitpunkt.

Ich wünsche mir, dass meine Aufnahmen dir die filigrane Schönheit der angetroffenen Orchideen zeigen und in dir das Verlangen sie zu schützen weckt.

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Als erste Gruppe fallen mir die vielen stattlichen Fuchsens Fingerwurze (Dactylorhiza fuchsii) mit variantenreicher Blüten-Färbung und -Musterung und mit den gefleckten Laubblättern auf. Dazwischen, auch noch gut zu identifizieren, viele, bereits verblühte Helm-Knabenkräuter (Orchis militaris).

Wir gehen weiter, leicht bergan auf eine höher liegende Ebene. Meine Begleiterin weist mich auf Standorte der Bienen-Ragwurze (Ophrys apifera) hin. Ich sehe nichts. Sie blühen noch nicht oder setzen dieses Jahr wegen der Trockenheit ganz aus. Ich betrete die Gebiete nicht.

 

Was wir aber entdecken, sind viele rote Waldvögelein (Cephalanthera rubra). Weil sie nicht grad am Wegrand stehen, leistet das kleine Fernglas gute Dienste. Sie sind ausnahmslos erst knapp am Aufblühen. Noch gar nichts zum Fotografieren.

 

Und was steht denn hier rechts am Weg? Wer achtet und erkennt die unauffällige, grüne Pflanze?

Mit grosser Wahrscheinlichkeit eine Breitblättrige Stendelwurz (Epipactis helleborine). Die kleinen, löffelartigen, rundlichen Laubblätter könnten eine Epipacis distans vermuten lassen, aber dazu ist der Blattabstand am Stängel zu klein. Im blühenden Zustand wird sich das Rätsel lösen.

Ganz oben am Waldrand ist es etwas schattiger. Vermutlich die zwei, drei letzten Helm-Knabenkräuter (Orchis militaris) stehen hier noch in schöner Blüte und erlauben ein brauchbares Bild. Spontan überrascht bin ich, als ich einzelne Fleischfarbene Fingerwurze (Dactylorhiza incarnata) identifiziere. Es erstaunt aber nicht sonderlich, als ich erfahre, dass es hier, am Fuss einer Erhebung, oftmals recht feucht wird.

Recht deutlich ist der optische Unterschied: Dichtblütig, kleine Blüten, stark gekielte, ungefleckte, aufwärts gerichtete, Laubblätter.

Gegen Ende unseres Rundganges widmen wir uns den 6-7 lockerblütigen, weisslichen Orchideen. Es gibt zwei Arten des Breitkölbchens oder auch Waldhyazinthe. Diese hier sind die grünliche. Platanthera chloranta und das weisse Breitkölbchen (Platanthera bifolia) können bei genauer Betrachtung und Kenntnisse der Merkmale unterschieden werden. Mit ein bisschen Übung gelingt das ganz gut.

Als sehr guter und handlicher Feldführer kann ich das Taschenbuch "Die Orchideen der Schweiz" von Beat A. Wartmann sehr empfehlen.

https://www.exlibris.ch/de/buecher-buch/deutschsprachige-buecher/beat-a-wartmann/die-orchideen-der-schweiz/id/9783258081298/?srsltid=AfmBOopDsh2UwX0bbH2PpB4cVy8S_NNpiMNRcycIlljm8PYps24gGvQ2

 

Jetzt noch zwei Bilder vom alles dominierenden Grossen Zweiblatt (Listera ovata). Man sieht sie hier gut weil es so viele sind. Aber sie sind unscheinbar grün und schlank. Man muss sie nahe betrachten um in ihnen die Orchideenblüte zu erkennen. Schon gegen Ende der Blütezeit schwellen die Fruchtknoten ballonartig an und entlassen Tausend kleinste Samen.

Ja, dieser schöne Flecken mit reichhaltiger Natur verdient unbedingten Schutz damit sich Besucher weiterhin am Idyll, an der Stille und am Naturerlebnis freuen und es geniessen können. Wir tragen alle mit Sorge dazu bei, denn nur was wir kennen und schätzen sind wir auch breit zu schützen.