Eine Bemerkung zu den Bildern ganz zuerst: Obwohl ich die Fotoausrüstung "mitgeschleppt" hatte sind alle Fotos nur mit dem Handy entstanden. Eigentlich nur zur Dokumentation was ich zu welchem Zeitpunkt angetroffen habe.

 

Ich beginne mit Pfungen. Seit einigen Jahren bin ich nicht mehr hier gewesen und die Entwicklung des Standortes interessiert mich. Eigentlich plane ich nur eine kurze Tour mit dem Fahrrad. Ich freue mich, die Frauenschuh-Orchideen blühen am 19. Mai wunderschön, obwohl der ganze April extrem trocken war. Hier im Wald scheint es ihnen nicht geschadet zu haben.

Wenn ich schon hier bin; warum nicht weiterfahren und auch Oberembrach nach vielen Jahren wieder einmal besuchen. Ich fahre durch den Wald und muss ab und zu den Weg mit der App https://map.geo.admin.ch

erkunden. Ich fahre zur bekannten Orchideenwiese, die in Privatbesitz ist. Knapp an der Hauptstrasse gelegen gibt es das kleine Hangried. Das inspiziere ich zuerst. Ich laufe rundherum. Überall stehen die breitblättrigen Fingerwurze, umgangssprachlich auch Knabenkräuter, (Dactylorhiza majalis) in schöner Blüte; wie früher. Vom Rand des Rietes kann ich die blühenden Exemplare recht gut zählen und komme auf fast 100. Partiell dominiert der Fieberklee (Menyanthes trifoliata), blüht aber noch nicht.

Nun aber zur eigentlichen Orchideenwiese. Immer noch steht das Schild Private Wiese, bitte die Trampelpfade nicht verlassen, Campieren verboten. Das respektiere ich. Die Trampelpfade sind gut genug angelegt und schlängeln sich unverändert durch die Trockenwiese. Die kleine Spinnen-Ragwurz (Ophrys araneola) ist natürlich längst verblüht und was ich sonst finde ist auch eher am Abblühen, abgesehen von Individuen an nicht voll-besonnten Stellen. Immerhin sechs Orchideenarten. Eine Hummel-Ragwurz (Ophrys fuciflora) finde ich keine, obwohl ich die Plätze noch in Erinnerung habe. Die kleine Population Frauenschuh (Cypripedium calceolus) im angrenzenden Wald gibt es nach Aussage einer anwesenden Person schon einige Jahre nicht mehr.

Dank dem damaligen Besitzer und dem Vorkommen der kleinen Spinnen-Ragwurz (Ophrys araneola) habe ich vor 40 Jahren diese Wiese überhaupt kennen gelernt und sie damals auch regelmässig besucht.

Auf dem Flurweg fahre ich weiter Richtung Oberembrach. Das kleine Hangried hier will ich auch ansehen. Links und rechts nahe am Rand stehen je zwei Fleischfarbene Fingerwurze (Dactylorhiza incarnata). Am unteren Rand grenzt das Ried schon fast an die Hauptstrasse. In diesem Ried gibt es interessanterweise keine (Dactylorhiza majalis) und im ersten hingegen keine (Dactylorhiza incarnata)

So, zwei Tage später besuche ich meine betagte Mutter in Rümlang und verbinde das wie so oft mit einem Besuch von Orchideenstandorten; weil ich halt hier aufgewachsen bin. Ich rufe Jonathan, den Leiter der Gemeinde- und Friedhof-Gärtnerei an und wir treffen uns auf einen "Schwatz" im Friedhof. Er erklärt mir wo in den nächsten Jahren keine Graberweiterungen geplant sind und deshalb die Bienen-Ragwurze (Ophrys apifera) auf längere Sicht geschützt werden können. Eine Parzelle ist abgegrenzt und 14 Pflanzen sind bereits markiert. In einer der durch Wiesensalbei und Margeriten geprägten Naturwiese sind unzählige, knospende Spitzorchis (Anacamptis pyramidalis) zu erkennen. Das wird schön werden, wenn sie alle blühen. Eine einzelne breitblättrige Fingerwurz (Dactylorhiza majalis) finden wir auch noch. Wie die wohl den Weg hierher gefunden hat?

Beim ehemaligen Scheibenstand der längst still gelegten 300m-Schiessanlage gibt es immer noch ein Rest eines ehemals sehr wertvollen, kleinen Hangrieds. Da stehe ich jetzt und erkenne sofort, dass es viele  (Dactylorhiza incarnata) hat, ich zähle 45 und notiere sie für die Kartierung. Einige blaue Schwertlilien (Iris sibirica) wiegen sich sanft im Wind.

Ein fast unbeachteter Kleinst-Standort liegt zwischen einer Hauptstrasse und der Fussgänger-unterführung zum Hallenbad. Am 9.5.2025 zählte ich hier 19 blühende bleiche Waldvögelein (Cephalanthera damasonium).

Jetzt muss ich diese fast suchen. Wenige sind es und ziemlich der grossen Trockenheit zum Opfer gefallen. Kein schöner Anblick. Wie Jonathan mir versprochen hat, ist die Wiese nicht gemäht, das freut mich. Sie soll erst nach der Samenreife gemäht werden.

Natürlich schaue ich auch bei der privaten Sitzplatzwiese vorbei. Letztes Jahr blühten hier 34 imposante Bienen-Ragwurze (Ophrys apifera). Jetzt stehen wieder einige ganz stramm hier und erste Blüten sind auch schon offen. Wunderbar, vor allem in Anbetracht dessen, dass es wegen der Trockenheit ein karges "Bienen-Jahr" geben wird. Und - welche Überraschung - ich entdecke eine aufblühende (vermutete) Spitzorchis (Anacamptis pyramidalis). Das Schonen der Parzellen bei den Orchideen und den Margeriten beim Mähen zeigt Früchte und die Wiese sieht zudem sehr schön aus.