Unsere erste Wanderung beginnt in Vrin und geht über Surin zurück nach Lumbrein. Um nicht auf der Asphalt-strasse laufen zu müssen, gehen wir ein Stück um den Wanderweg zu nehmen. Aber eine Tafel warnt uns: Die Brücke über den Glenner wurde weggeschwemmt; also zurück auf den Asphalt. Auf dem letzten Bild im hell-gelben Haus unsere Ferienwohnung.

20.7.2020

Die Höhenwanderung würde ich gerne machen: Vom Hitzeggen über Stei zum Piz Sezner (2309 m) und dann hinunter nach Lumbrein (1400 m). Der Gedanke an den langen Abstieg macht mir am Vorabend Bauchweh. Die Frau vom Sessellift jedoch preist die Schönheit dort oben in höchsten Tönen und so kommt es, dass ich bei ihr auf dem Hitzeggen zwei billige Occasionswanderstöcke kaufe, für alle Fälle, und dann losmarschiere. Nach hinten der Blick zum Piz Mundaun, nach links hinunter ins Lumnez und rechts hinunter nach Obersaxen und Brigels.

Der Weg ist spannend, auf und ab, Kühe die an der dümmsten Stelle partout nicht vom Wanderweg wollen, vorbei an vielen botanischen Schönheiten, allen voran viele Prachtnelken (Dianthus superbus) und am Piz Sezner auf der Westseite viele purpurrote Enziane (Gentiana purpurea) und Arnika (Arnica montana).

An Orchideen gibt es einige weisse Höswurz (Pseudorchis albida), schwarze Männertreu (Nigritella rhellicani), Mückenhandwurz (Gymnadenia conopsea) und in den Feuchtwiesen im Val Gronda "Knabenkräuter". Eine nicht häufige Orchis traunsteineri und mindestens eine Dactylorhiza majalis var. alpestris habe ich gefunden und fotografiert. Unten im Wald blüht bereits die rote Sumpfwurz (Epipactis atrorubens).

Von Schlareins (1700 m) an spüre ich meine Beine und bin jetzt froh um meine Stöcke. Von hier gibt es schöne Blicke über die Matten die ganz flach von der untergehenden Sonne beleuchtet werden.

Der Einstieg zur heutigen Wanderung beginnt im mittleren Val da Mulin, gerade in der scharfen Kurve ausgangs Lumbrein. Bereits nach 3 Minuten streift der steinige, ansteigende Wanderweg ein feuchtes kleines Wiesenband entlang eines schmalen Baches. Mein Blick fällt auf viele verschiedene Orchideen. So eine Konzentration ist doch selten. Ich zähle 22 Brandorchis (Orchis ustulata) und notiere für die Orchideendatenbank Mückenhandwurz, grosses Zweiblatt, braunrote Sumpfwurz, breitblättrige Fingerwurz in grosser Stückzahl. Weiter oben, bereits in der Kuhweide finde ich weitere Brandorchis.

Später, bereits im Wald, fällt mir eine feuchte Böschung mit vielen, sehr kräftigen Fuchsens Fingerwurze auf. Sehr auffällig geformte Einzelblüten, so dass ich auf Hybriden, evt. mit Dactylorhiza majalis tippe. Ebenfalls hier gedeiht das weissblühende Sumpf-Herzlatt (Parnassia palustris).

Kurz vor der Alp Cavel, rechts am Strassenrand, im Heidelbeergestrüpp, finde ich ein mir unbekanntes Gewächs. Ich fotografiere es mit der App PlantNet und bin sofort informiert: Säulen-Bärlapp (Lycopodium clavatum). Laut Wikipedia giftig, geschlechtsreif erst nach 10-15 Jahren, Sporen keimen erst nach 6-7 Jahren und produzieren zuerst einen zwittrigen Vorkeim. Und daraus entsteht dann die Bärlapp-Pflanze.

Bald ist zeit für den Heimweg. Dort wo der Wanderweg Bergbäche kreuzt, wachsen viele "Knabenkräuter" und zu meiner Freude sind die Stellen sorgfältig eingezäunt damit das Vieh diese kleinen Oasen nicht zertrampeln oder abfressen.

 

Wir fahren heute mit dem Postauto/Zug nach