Die Flora im Val da Camp


Ich würde fast sagen, man findet hier alles was an Bergblumen Rang und Namen hat. Das ist übertrieben, stimmt, aber ich finde immer wieder Neuigkeiten und freue mich einfach auch, wenn ich rein weisse Paradieslilien finde und mir gute Bilder gelingen. Ganz neu habe ich das erste Mal eine Kreuzung zwischen einem Männertreu und einer Höswurz, beides Orchideen, gefunden. Siehst du nebenan wie klein der ganze Blütenstand ist! Ein einziges Exemplar.



Paradieslilien oder weisse Trichterlilien (Paradisia liliastrum) habe ich bisher an drei Orten im Val da Camp gefunden. Alle Standorte sind vom Weg her einsehbar, einmal direkt an der staubigen Postauto-Fahrstrasse, für die anderen Bilder war ein bisschen Kratzlerei am steilen Bord notwendig und manchmal hat das Stativ auch mir und nicht nur der Kamera guten Halt gegeben. Eine rein weisse Blüte zu fotografieren ist eine besondere Herausforderung. Die filigrane Struktur soll nicht mit grellem Weiss überblendet werden, das Bild soll die Leichtigkeit, die Grazie der ganzen Pflanze wiedergeben und auch der Hintergrund soll stimmig zur Blüte passen und nicht Unruhe vermitteln. So einfach ist das, aber was, wenn die Mittagssonne grell vom Himmel scheint oder der Wind einfach keine brauchbare Verschlusszeit zulässt? Sanft eingesetztes Blitzlicht kann helfen und manchmal sind die Resultate halt einfach unbrauchbar. Nicht jedes Foto schafft's ins Album!

Eine Feuerlilie (Lilium bulbiferum) anzutreffen ist doch immer ein schönes Erlebnis. Nicht im Garten hinter dem Haus. Das Feuer in den Farben ist kaum zu überbieten. Die Farbsättigung kann so intensiv sein, dass das Foto bereits übersättigt aufgenommen wird und man diesen Fehler auch mit Photoshop nicht mehr wegbringt. Es lässt sich wunderbar mit der Schärfentiefe und mit dem Bildausschnitt spielen. Die Zeit vergeht wie im Flug. Entweder du bist von Anfang an alleine unterwegs oder deine Freunde fotografieren mit gleichem Eifer oder du bist nach den gelungenen Aufnahmen alleine unterwegs - oder die Zeit reicht nicht und die Bilder werden nichts. Im Val da Camp begegnet man der Feuerlilie häufig, aber es kann sein, dass man die schönste Blütezeit grad knapp verpasst. Mitunter stimmen die klimatischen Bedingungen nicht und zuvor besuchte Standorte sehen wie ausgestorben aus weil die Feuerlilie dieses Jahr mit Blühen aussetzt. Gut, wenn die Bilder vom letzten Jahr gelungen sind.

Und noch eine Lilie, der Türkenbund (Lilium martagon). Noch nie habe ich ihn so schön gewachsen, so kräftig und in so beeindruckender Anzahl gefunden wie hier an diesem Standort. Häufig sind die Knospen von Rehen abgefressen, die mit dem enthaltenen Wirkstoff die Geburtswehen erträglicher machen.

Alle folgenden Bilder sind ebenfalls nur im Val da Camp aufgenommen. Vieles habe ich gefunden in den letzten Jahren - und letztlich doch nicht fotografiert weil mir die Blumen zu alltäglich waren oder die Tageszeit zur Eile mahnte.

Das gemeine Fettblatt (Pinguicula vulgaris) und das dünnspornige Fettblatt (Pinguicula leptoceras) treten fast nur an feuchten Stellen auf und sind fleisch-fressende Pflanzen. Das fällt erst auf wenn man die hellgrün glänzenden Blätter nahe betrachtet oder berührt; sie sind mit einem klebrigen Fangsekret überzogen und manchmal sind sie voll mit ganz kleinen Insekten, die meisten schon tot. Die beiden unterscheiden sich fast nicht, charakteristisch für das dünnspornige Fettkraut sind weisse Flecken auf der Unterlippe. Das weiss blühende Alpen-Fettblatt habe ich bisher im Val da Camp nicht fotografiert.



Verschiedene Arten der bekannten Familie "Hauswurz" kommen im Val da Camp häufig vor, so der kleine Spinnwebenhauswurz (Sempervivum arachnoideum) und der Berghauswurz (S. montanum). An verschiedenen Stellen auch prächtige Exemplare des seltenen, gelb blühenden Wulfens-Hauswurz (Sempervivum wulfenii).

Das Alpenleinkraut (Linaria alpina) erfreut durch seine auffällige Färbung die besonders zur Geltung kommt, da es eigentlich nur in Schutt und Geröll wächst.